Das glaube ich!

Lohnt es sich zur Wahl gehen? "Ja", betont Pfarrer Dr. Jochen Denker in der WZ-Kolumne. Denn Demokratie verstehe sich nie von selbst.


Lohnt es sich zur Wahl gehen? „Ja“, betont Pfarrer Dr. Jochen Denker in der WZ-Kolumne. Denn Demokratie verstehe sich nie von selbst. Ein persönliches Bekenntnis zu Glaube und Demokratie.

Diese Kolumne heißt seit Jahren: Was glauben Sie denn? Darauf will ich kurz vor einer Bundestagswahl und in wahrhaft merkwürdigen Zeiten eine Antwort versuchen: Ich glaube, dass jede und jeder einzelne einen Unterschied macht. Ob Sie wählen gehen und wen, macht einen Unterschied.

Vor allem macht es einen Unterschied, für welche Werte Sie in Ihrem Umfeld einstehen, wie Sie sich in aufgewühlten Zeiten verhalten, was Sie sagen, wem Sie zustimmen und wem Sie widersprechen.

Die Demokratie geht nicht an ihren Feinden, sondern an zu wenigen und trägen Freunden zugrunde.

Ich glaube, dass die Demokratie nicht an ihren Feinden, sondern an zu wenigen oder trägen Freundinnen und Freunden zugrunde geht. Demokratie versteht sich nie von selbst. Sie ist anstrengend. Sie setzt darauf, dass Konflikte nicht mit Gewalt gelöst werden, sondern durch einen Kompromiss. Sie ist alle Anstrengung wert.

Hilfsbedürftige im Blick behalten

Ich glaube, dass eine Gesellschaft dadurch geadelt wird, dass sie den Blick für die nicht verliert, die ohne Hilfe unter die Räder geraten. Denn kein Mensch hat sein Leben wirklich im Griff. Ich kann heute noch ein „Leistungsträger“ sein und morgen schon ein schwerer Pflegefall.

Nur eine falsche Entscheidung – und ein scheinbar stabiles und gesichertes Leben kann aus der Bahn geworfen werden. Wenn nur der starke, erfolgreiche, gesunde, finanziell potente, leistungsfähige Mensch etwas zählt, wird eine Gesellschaft unbarmherzig, kalt und am Ende unmenschlich.

Ich vertraue darauf, dass wir zu Geburtshelfern des Guten bestimmt sind.

Ich glaube mit dem evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, „dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“. Darum stecke ich den Kopf nicht in den Sand und bestreite dem Hass und der blindmachenden Angst das letzte Wort und vertraue darauf, dass wir alle Menschen der Hoffnung sind, die nicht zu Handlangern des Bösen, sondern zu Geburtshelfern des Guten bestimmt sind und sich eigentlich danach sehnen, genau das zu werden.

Gefragt: Widerstandskraft

Ich glaube mit Bonhoeffer, „dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“ Ich glaube, dass wir heute mehr denn je Gott brauchen, dass wir den lebendigen Christus brauchen, der unser Friede ist, der das Getrennte verbindet und den Zaun der Feindschaft einreißt.

Die Welt ist nicht gottlos und sie wird Gott nicht los.

Und ich glaube, dass er mitten unter uns schon an der Arbeit ist. Die Welt ist nicht gottlos, auch wenn es so scheint, denn sie wird Gott nicht los, der ihr die Treue hält. Ich glaube mit Bonhoeffer, „dass Gott kein zeitloses Fatum (Schicksal) ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Gott lässt uns nicht hängen

Ich glaube, dass Gott uns nicht „hängen“ lässt – lassen wir auch ihn nicht „hängen“, sondern arbeiten mit. Verantwortliche Taten wären Taten, die Gottes Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Mitmenschlichkeit zum Maßstab des eigenen Tuns machen – in der Politik, in unserer Gesellschaft und in unseren Familien- und Freundeskreisen.

Und ein aufrichtiges Gebet wäre für mich zum Beispiel dieses alte Lied: „Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter bist; du wirst der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist. Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn; du tust doch über Bitten und Verstehn.“ (Evangelisches Gesangbuch 241,8)


WZ-Kolumne von Dr. Jochen Denker, Pfarrer in der Gemeinde Reformiert Ronsdorf und Synodalassessor im Evangelischen Kirchenkreis Wuppertal

Der Text ist bereits erschienen in der WZ Wuppertal vom 21. Februar 2025.

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