Eine Kapelle für die Kinder

Damit die Kinder nicht mehr von den Barmer Südhöhen ins Tal laufen mussten, entstand die Lichtenplatzer Kapelle. Sie ist unsere Kirche des Monats April.

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Von den Barmer Südhöhen bis zur Kirche ins Tal war es ein weiter Weg. Den wollte die Gemeinde Unterbarmen-Süd ihren Kindern nicht mehr zumuten. So entstand die Lichtenplatzer Kapelle. Sie ist unsere Kirche des Monats April.

„Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“ Der Spruch Martin Luthers gehört zu den vielen Zitaten, die auf einer Schauwand an der Lichtenplatzer Kapelle standen und Passanten zum Nachdenken anregen sollten. Das passt, denn für die Entstehung der Kapelle, die auf dem höchsten Punkt der Barmer Südhöhen liegt, spielen Kinder eine große Rolle.

Sie mussten mit ihren Familien weite Wege für Gottesdienst, Sonntagsschule und den Konfirmandenunterricht von den Südhöhen ins Tal zurücklegen, wo die Gemeinde Unterbarmen-Süd ihre Gottesdienststätte hatte. Daher wurde schon 1866 auf dem Grundstück der heutigen Lichtenplatzer Kapelle eine evangelische „Kleinkinderschule“ errichtet, die über einen ersten Gottesdienstraum verfügte.

Unsicherer Weg für Konfirmanden

Als in Wuppertal immer mehr Textilfabriken entstanden und Arbeiterfamilien zuzogen, drängte der Vorstand auf den Bau einer weiteren Kirche. Wieder waren dabei die Kinder im Blick. Für die Lichtenplatzer Konfirmandinnen und Konfirmanden sei der Weg durch den Wald zum Unterricht im Tal zu unsicher und oft unbegehbar, hieß es. Mit dem Bau der Kapelle im Jahr 1904 und der Einrichtung eines neuen Gemeindebezirks mit eigener Pfarrstelle wurde dieses Problem dann endlich gelöst.

Das im Stil der Vereinshausarchitektur errichtete Gebäude aus rotem Backstein ist heute eines der beiden Zentren der Evangelischen Gemeinde Unterbarmen Süd. Neben dem Gottesdienstraum mit etwa 330 Plätzen verfügt es über ausreichend Nebenräume für Gemeindeaktivitäten sowie einen Wohntrakt. Im Dachreiter wurde ein Geläut mit zwei Glocken untergebracht.

Komplett neue Inneneinrichtung

Nachdem die kleine Kirche den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden hatte, wurde ihre Inneneinrichtung 1968/1969 komplett entfernt und erneuert. Die Gemeinde verkaufte ihre Orgel der Schwelmer Firma Paul Faust, die auf einer Empore über dem Altarraum untergebracht war. Stattdessen entstand rechts vom Altar das mächtige Betonglasfenster „Licht der Schöpfung“ von Elisabeth Altenrichter-Dicke, einer Ennepetaler Malerin und Bildhauerin.

Hell und schlicht: Innenraum der Lichtenplatzer Kapelle

Die 1969 eingebaute Orgel fand ebenerdig auf der linken Seite neben der Kanzel ihren Platz. „Sie ist ein Werk der renommierten Firma Walcker aus Ludwigsburg, die in der Nachkriegszeit in die Serienproduktion von Kleinorgeln eingestiegen war“, berichtet Pfarrer i.R. Jochen Streiter, der 22 Jahre lang Pastor der Gemeinde Unterbarmen-Süd war. Diese seien einfach konstruiert und preisgünstig gewesen. Insgesamt wurden bis 1974 rund tausend Exemplare dieser Spar-Instrumente weltweit aufgestellt.

Die Orgel: Klein, aber zuverlässig

„Zuverlässig tut das Örgelchen seit über einem halben Jahrhundert seinen Dienst, in Gottesdiensten und Konzerten, oft gemeinsam mit anderen Instrumenten und den mittlerweile drei Chören des Gemeindebezirks“, sagt Streiter. Die geringe Registerzahl verlange allerdings einiges OrganistInnen-Geschick für ein abwechslungsreiches Spiel, meint der Theologe.

Durch die Anordnung der großen Holzpfeifen rechts und links des Gehäusekastens sei die Orgel geschickt in die räumlichen Gegebenheiten eingepasst worden. Die helle Farbgebung trage zur offenen Atmosphäre des Gottesdienstraumes bei.

„Die Gemeinde hat ihre Kapelle immer liebevoll gepflegt und gestaltet“, erzählt Jochen Streiter. Heute weise sie daher weitere attraktive künstlerische Elemente auf, etwa das hölzerne Kirchenportal mit zwei großen Händen als Türgriffen, im Jahr 2004 vom Wuppertaler Bildhauer Hans-Jürgen Hiby geschaffen. Ebenfalls seit 2004 gibt es die „Schauwand“ an der Straßenfassade mit wechselnden plakativen Grafiken. Wie jene, die an die Kinder als besondere Geschöpfe Gottes erinnert.

Text: Jochen Streiter/Sabine Damaschke
Fotos: Timo Platte

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